Social Media ohne Bilder, Videos, Likes & Follower – undenkbar? Keineswegs, sagen die Gründer von Clubhouse, dem jüngsten Stern am Social Media Himmel, und scheinen damit den Zeitgeist perfekt zu treffen. Clubhouse setzt auf Sprache, Voice-Chat um genau zu sein. Das gesprochene Wort ersetzt dabei visuellen Content und geschriebene Kommentare gleichermassen. In Zeiten von Homeoffice, Lockdowns und Zoom Calls dürften allfällige Berührungsängste gegenüber diesem unmittelbaren, ungefilterten und spontanen Austausch mit Fremden ausreichend abgebaut worden sein, denn Clubhouse erlebt einen regelrechten Boom. Steht uns eine Social Media Revolution bevor? Jedenfalls eröffnet die App neue Wege der Interaktion, auch für Marken und Unternehmen. Wie das aussehen könnte, möchten wir Ihnen in diesem Beitrag aufzeigen.

Erstmal die Basics – Wie funktioniert Clubhouse?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit, regelmässig und ortsunabhängig CEOs globaler Konzerne, Stars der Startup Szene oder Ihre Lieblingskünstler auf der Bühne sprechen zu hören und ihnen Fragen zu stellen. Clubhouse machts möglich.

Die App ist ein Sammelsurium an virtuellen Voice-Chaträumen, an denen man nach Belieben teilnehmen und zuhören kann. Oder man möchte selbst mitreden – dazu betritt man dann die sogenannte «Bühne» und kann sich so Gehör verschaffen.

Ähnlich wie bei Live-Streams auf Instagram und Facebook, informiert die App die Followers, wenn jemand «auf die Bühne steigt», dem sie folgen. Wenn Sie auf die Benachrichtigung tippen, treten Sie dem Raum sofort als passiver Zuhörer bei.

Diese Art der Interaktion ist im Kontext von Social Media neu und in vielerlei Hinsicht attraktiv. Der Austausch wird so direkter, spontaner und authentischer. Einen Kommentar dreimal überarbeiten, bevor man ihn postet, das geht bei Clubhouse schliesslich nicht. Umgekehrt ist es aber genauso wenig möglich, Kommentare zu prüfen, zu filtern, oder gar zu löschen. Jedes Gespräch, jeder Diskurs passiert also weitestgehend unmoderiert (mit Ausnahme der Unterteilung in «Sprecher» und «Zuhörer). Ein Blick auf Twitter und die Diskussionen rund um Meinungsfreiheit, Falschinformationen und Hate-Speech sollte genügen, um zu verstehen, dass es dabei rasch chaotisch, und mitunter auch ungehalten werden kann.

Ein Beispiel: Chet Hanks, Sohn von Hollywood Star Tom Hanks, hat ein Talent für Sprache und imitiert gerne öffentlich den für Jamaika typischen Patois Dialekt. In einem seiner Clubhouse Chatrooms wurde er dafür von teils irritierten, teils wütenden Usern konfrontiert.

Auch Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, ist bereits ins Fettnäpfchen getreten, als er auf Clubhouse Kanzlerin Merkel salopp als “Merkelchen” bezeichnete und erzählte, dass er sich auf Ministerpräsidentenkonferenzen gerne mit dem Mobile Game “Candy Crush” die Zeit vertreibe. (20Min.ch)

Das ist bei Weitem kein Grund, warum Clubhouse kein Erfolg werden sollte, aber jeder der die App nutzen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein.

Wie gewann die App so rasant an Popularität?

Clubhouse bedient sich zum Markteintritt eines wahren Marketing-Klassikers: künstliche Verknappung. Die App ist bis anhin exklusiv für iPhone-Nutzer verfügbar. Zusätzlich bedarf es einer Einladung von einem aktiven Clubhouse-Nutzer, um an den Chats teilnehmen zu können. Um an diesen «Invite» zu kommen, bezahlen viele bereits bares Geld via ebay und Konsorten, wo die Invites rege gehandelt werden. Nach der Installation möchte die App zunächst Zugriff auf sämtliche Kontakte im Adressbuch des verwendeten iPhones – zumindest, wenn Anwender später ebenfalls Invites verschicken möchte. Diese Methode, um virale Verbreitung zu erlangen wurde bereits von WhatsApp genutzt und ist in Europa aus Datenschutzgründen umstritten. (Datenschutz-Generator). Mitglieder von Clubhouse werden darüber hinaus aufgefordert, ihre Profile mit anderen Plattformen zu verknüpfen. Ziel ist es, bei Nutzern von anderen Social-Media-Kanälen, wie Twitter, LinkedIn und Instagram den Wunsch zu wecken, möglichst schnell an eine Einladung für Clubhouse zu kommen.

Bild: t3n.com

Wofür lässt sich die App nutzen?

Bei allen Fragezeichen, die sich aufdrängen, birgt die App auch grosses Potential für User und Unternehmen. So gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie Clubhouse nutzen können, um sich zu vernetzen, Ihre Kompetenzen auszubauen oder Ihr Unternehmen zu vermarkten. Gerne stellen wir Ihnen einige denkbare Formate näher vor:

Lernen und Wissen teilen

Clubhouse bietet die Möglichkeit sich mit Fachleuten ausserhalb der eigenen Branche zu unterhalten, Debatten zu führen und sich mit Leuten auf der ganzen Welt zu verbinden. In diesem Sinne ist Clubhouse eine Art Lernplattform. Um selbst möglichst viele Follower zu gewinnen, ist es empfehlenswert, sich aktiv sich bei Diskussionen zu beteiligen und Fragen zu stellen. Dann werden Leute sich Ihr Profil ansehen und möglicherweise abonnieren.

Vernetzen und Communites aufbauen

Podcasts, Coaches und Trainer können Clubhouse als Tool für Community-Building nutzen und es den Zuhörern erlauben, sich an den Diskussionen zu beteiligen oder Meinungen zum Gehörten auszutauschen. Um Reichweite bei Clubhouse zu erlangen, sollten Sie gleich einen eigenen «Stream» veröffentlichen. Nach dem Eröffnen eines Raums können Sie Gäste zu Ihrem Stream einladen. Tipp: Je mehr Moderatoren Sie einsetzen, desto mehr Leute werden von Ihrem Event erfahren.

Ideen entwickeln und Feedback einholen

Darüber hinaus bietet Clubhouse eine Plattform für das Testen und Weiterentwickeln von Ideen. Im Sinne des sogenannten Crowdsourcing können beispielsweise Innovatoren von den Diskussionen profitieren und Feedback einholen. Falls Sie auf der Suche nach Geschäftspartnern sind, so können Sie sich im Laufe der Diskussion über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen oder sich mit Gleichgesinnten verbinden.

Virtuelle Veranstaltungen

Weiters können Chat-Räume als Ort für virtuelle Veranstaltungen genutzt werden. Wie z.B. bei Zoom können Rollen, wie Moderatoren, Sprecher und Zuhörer zugewiesen werden. Moderatoren leiten die Diskussion und kontrollieren wer auf der «Bühne» sprechen darf und wer nicht. Sprecher sind diejenigen, denen das Recht erteilt worden ist auf der «Bühne» zu sprechen. Wenn Sie Sprecher werden wollen, können Sie dem Moderator ein Zeichen geben. Der Moderator kann dann entscheiden, ob er Ihnen das Wort gibt. Leute im Publikum sind in der Rolle des Zuhörers.

Talente entdecken und Mitarbeiter finden

Headhunter oder Recruiter können Personen, die in Diskussionen positiv auffallen oder besondere Kompetenzen demonstrieren direkt ansprechen und in private Chaträume einladen. In diesem Sinne kann Clubhouse auch als Tool zur Talentakquise genutzt werden.

Hinweis: Gemäss den Nutzungsbedingungen der Plattform dürfen Unterhaltungen ohne Einverständnis aller Teilnehmenden nicht aufgezeichnet oder transkribiert werden. Wenn Sie beispielsweise  mit Hilfe eines Clubhouse-Chats Insights oder Meinungen sammeln möchten, so können Sie den Zweck der Diskussion und Ihre Absichten dem Titel und Beschreibung des Chat-Raums vor dem Start der Unterhaltung hinzufügen. Im Nachhinein oder während der Diskussion ist dies nicht mehr möglich. (Datenschutz-Generator)

Welche Besonderheiten gilt es zu beachten?

  1. Wie Anfangs erwähnt stellt die sehr direkte, ungefilterte Art der Interaktion ein gewisses Risiko dar. Diskussionen dieser Art zu moderieren oder inhaltlich zu lenken kann schwierig werden. Gerade wenn man als Marke oder Unternehmen auftritt, sollte man sich darüber im Klaren sein. Dennoch: Clubhouse möchte ein gewisses Niveau pflegen und die Qualität des gebotenen Contents hoch halten. So gibt es bereits überarbeitete Community-Regeln, und durch eine neue Meldefunktion wird Trollen und Hate-Speech nun aktiv entgegengewirkt.
  2. Eine weitere Besonderheit ist, dass im Profil angezeigt wird, wer eine Person ins Clubhouse eingeladen hat. Das Verteilen der «Invites» sollte also mit Bedacht passieren.

Fazit

Die Clubhouse-App trifft scheinbar den Zeitgeist der Social Media Community. Das Audio-Only Konzept wirkt auf den ersten Blick spontaner und authentischer als die meisten Social Media Plattformen.

Ob Clubhouse ein ernstzunehmender Konkurrent für Facebook, Twitter oder möglicherweise gar LinkedIn wird, steht in den Sternen. Doch eines ist klar: Clubhouse hat für einen Hype gesorgt, welcher die Social Media Branche zumindest aufhorchen lässt.

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